Angebot und räumliche Ausstattung der Stadtbibliothek
Anfrage gemäß §24 GemO
Sehr geehrter Oberbürgermeister Horn,
der letzte Jahresbericht 2024 der Freiburger Stadtbibliothek und seiner Stadtteilbibliothek weist beeindruckende Leistungsdaten auf. Die Besuchszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um 9% angestiegen, die Ausleihen um 12%. Noch beeindruckender sind die Zahlen in Bezug auf das Veranstaltungsangebot der Stadtbibliothek, das um 16% zugenommen hat und einen Zuwachs von 43% bei den Teilnehmenden aufweist. Mit der Neueröffnung der Stadtteilbibliothek Mooswald, der Einführung der Flexibib und der Eröffnung der Bibliothek der Dinge hat die Stadtbibliothek zuletzt mit attraktiven Neuerungen auf die steigende Nachfrage reagiert. Damit profiliert sich die Stadtbibliothek als wichtiger Akteur in der kulturellen Bildung und Förderung von Lesekompetenz.
Dennoch reichen die räumlichen und personellen Ressourcen der Stadtbibliothek nach unserem Eindruck bei Weitem nicht aus, um der stetig ansteigenden Nachfrage und der Bedeutung einer solchen maßgeblichen Einrichtung einer mittleren Großstadt Genüge zu leisten. Die auf Freiburg bezogenen Befragungsergebnisse der Publikumsstudie „Sentobib“ benennen unter anderem den Wunsch nach Ausweitung und Flexibilisierung
der Öffnungszeiten (auch sonntags und abends), die Verbesserung und Aktualisierung des Medienbestands, die Verbesserung der Lese- und Arbeitsmöglichkeiten vor Ort sowie die Schaffung von Fahrradparkplätzen. Zudem mangelt es an Veranstaltungsräumen, insbesondere, um mit größeren Gruppen wie Schulklassen zu arbeiten. Drittens ist zwar vor allem der Freiburger Westen mit Stadtteilbibliotheken gut versorgt, nicht aber die anderen Stadtteile.
Zur Infrastruktur zählt außerdem mit stark zunehmender Bedeutung auch die digitale Ausstattung. Dies gilt umso mehr, wenn es darum geht, junge Menschen für das Lesen zu begeistern. Mit vielfältigen Angeboten für Kinder ist die Stadtbibliothek bereits bestens aufgestellt. Viele Bibliotheken verlieren allerdings ihr junges Publikum im fortgeschrittenen Jugend- und jungen Erwachsenalter – häufig für immer. Dabei stellt das Ausleihwesen eigentlich gerade für ein junges, häufig weniger zahlungskräftigesKlientel ein grundsätzlich attraktives Angebot dar. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, als städtische Bibliothek Trends wie BookTok oder Bookstagram aufzugreifen und das eigene Angebot auf digitale Medien anzupassen. Ferner lassen sich diese Trends auch publikumswirksam im Veranstaltungsprogramm – beispielsweise in Kooperation mit Influencer*innen – platzieren.
Zu den aktuellen Lesetrends zählt außerdem die steigende Nachfrage nach fremdsprachiger, insbesondere englischsprachiger Literatur. Viele Titel sind, wenn nicht in der Stadtbibliothek, so doch in anderen Freiburger Bibliotheken verfügbar, beispielsweise im Carl-Schurz-Haus oder dem Centre Culturel Français. Allerdings sind deren Titel nicht im digitalen Bibliothekskatalog verzeichnet.
Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie um die schriftliche Beantwortung der folgenden Fragen, ggf. auch mit einer mündlichen Erläuterung im Kulturausschuss:
1. Welche Maßnahmen plant die Stadt, um auf die steigende Nachfrage nach Leistungen der Stadtbibliothek adäquat zu reagieren?
2. Welche baulichen und räumlichen Optionen bestehen, um dem steigenden Flächen- und Raumbedarf – insbesondere für Veranstaltungen sowie dem Bedarf an Arbeits- und Leseplätzen – zu entsprechen? Gibt es Ausbaumöglichkeiten am Hauptstandort in der Innenstadt, insbesondere für größere Gruppen wie Schulklassen? Kommt perspektivisch auch ein anderer Innenstadtstandort als derjenige am Münsterplatz in Betracht?
3. Wie plant die Stadt, auf die Versorgungslücke in bestimmten, vor allem den innenstadtferneren Stadtteilen wie Zähringen, Kappel oder Günterstal zu reagieren?
4. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Öffnungszeiten der städtischen Bibliotheken auszuweiten und zu flexibilisieren, insbesondere abends und am Wochenende? Gibt es Überlegungen, das Modell der „Flexibib“ zeitlich auszuweiten und auch räumlich auf weitere Standorte zu übertragen? Ist geplant, das Angebot der „Flexibib“ auch auf Jugendliche auszuweiten?
5. Mit welchen Maßnahmen ist geplant, den personellen Engpässen zu begegnen und eventuell aufkommenden zusätzlichen personellen Bedarf zu decken? Gibt es Überlegungen, personelle Bedarfe über die f.q.b. abzudecken?
6. Welche Maßnahmen sind geplant, um das Medienangebot der Stadtbibliothek auszubauen und auf den neuesten Stand zu bringen?
7. Welche Überlegungen gibt es, Trends wie BookTok oder Bookstagram für die Ansprache und Bindung eines jungen Lesepublikums zu nutzen?8. Wie sehen die Planungen aus, die digitale Infrastruktur, insbesondere die Website der Stadtbibliothek auszubauen und auf aktuelle Erfordernisse anzupassen?
9. Wir bitten außerdem zu prüfen, ob – angelehnt an das Beispiel der Universitätsbibliothek – ein Bibliotheksverbund einschließlich eines gemeinsamen Verbundkatalogs unter Einbeziehung anderer Bibliotheksbestände wie etwa des Carl-Schurz-Hauses, des Centre Culturel Français oder des Vivace Freiburg geschaffen werden kann.
Vielen Dank,
mit freundlichen Grüßen,
Karim Saleh
Clara Wellhäußer
Grüne im Freiburger Gemeinderat